Textbüro

Siebzehnvierzehn

Nordamerikanische Indianer vom Stamme der Ojibwa fordern vom Karl-May-Museum in Radebeul den Skalp eines ihrer Vorfahren zurück. So liest man in vielen Zeitungen. Wenn alle Skalps aus der Ausstellung entfernt würden, könnte man das Museum ausräumen, sagt der Museumsleiter. “Sie sehen bei uns überall Skalps, in Hemden eingenäht, auf Rahmen gespannt – die gehörten zur indianischen Kultur damals einfach dazu, so wie man sich bei uns in Europa Orden an die Brust heftete.” Solche Rückgabeforderungen müssten auf einer anderen Ebene entschieden werden. Aber der Medienrummel habe auch etwas Gutes. “Unser Werbebudget für dieses Jahr können wir jetzt um die Hälfte kürzen.”
Als wir Indianer und Cowboy spielten, das tun Kinder heute wohl kaum noch, haben wir unseren Gegnern beim Skalpieren ein paar Haare vom Kopf gerissen und sie triumphierend hochgehalten. Wir haben schrille Schreie ausgestoßen und uns ein wenig vor uns gefürchtet. Hieß das Indianermuseum damals schon Karl-May-Museum? Kaum denkbar. Jetzt bekommt es von Ojibwa-Indianern eine Werbekampagne geschenkt.