Textbüro

SiebenDreizehn

Lese in einem zwei Jahre alten Interview mit Miriam Meckel („Next. Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns“, erschienen bei Rowohlt) den Begriff „Erschöpfungsinfarkt“. Vollkommene Kommunikations-, Arbeits- und Gefühlsüberlastung. Wie wird die Zukunft aussehen, wenn wir uns zu Tode gegoogelt haben? Fragt die Autorin. Ich schaue bei Google nach, um Miriam Meckel zu verlinken. Sonst hat dieser Text keinen Mehrwert. Was man halt so denkt, wenn Texte geschrieben werden, die später gegoogelt werden können. Nichts für die Ewigkeit, aber alles wird ewig da sein.liebes_schloss
Wir stünden am Anfang einer Zukunft, die irgendwann ohne uns auskommt, schreibt Meckel. Algorithmen verstopfen unsere Gefäße, wir hören auf zu denken und lassen uns statt dessen Empfehlungen geben. Kunden, die dieses Buch gekauft haben, kaufen auch. Muss ja nicht sein.
Gehe in einen Buchladen und erwerbe das Buch eines Jesuiten, der mal Professor für Christliche Gesellschaftsethik war. „Die Zeit gehört uns Widerstand gegen das Regime der Beschleunigung“. Schönes Buch, hilft aber nicht weiter. Oder doch. Das Kapitel über Markt und die Tugend der Solidarität.
Glaube ich an den Klimawandel, da mir jetzt Wissenschaftler erklären, es wird alles gar nicht so schlimm? Übermorgen veröffentlicht der Weltklimarat seinen Klima-Bericht. 2000 Männer und Frauen haben Beweise gesammelt. Man googelt sich durch Pro und Contra. „Voller Hoffnung“ schickt avaaz.org einen Brief in die Welt und bittet darum, dass wir uns um uns kümmern. Murdochs Zeitungen haben mehr Geld und bringen ihre „wirdallesnichtsoschlimm“-Mannen in Stellung. Natürlich wird alles nicht so schlimm. Wenn es so weit ist, werden wir nicht mehr leben. Der Klimarat spricht von „mittlerer Gewissheit“. Die zusätzliche Wärme, von Menschen verursacht, geht nicht in die Luft, sondern heizt die Meere. Das rätselhafte Ausbleiben der Erwärmung wiederum heizt Verschwörungstheorien an. Wunderbar, wir können uns entscheiden und müssen nicht auf das Lamento hören. Eine Tasse Kaffee am Flughafen ist teurer, als ein Emissionszertifikat. Und der Kaffee am Flughafen schmeckt nicht mal.